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Vier Posaunen: Propädeutisches zum Begriff Nachhaltigkeit

In Sustainability&CSR on 2. August 2015 at 21:52

Viel wird wieder von Nachhaltigkeit gesprochen. Jeder versteht etwas anderes darunter. Der Begriff ist heiß umstritten und das ist auch gut so.

Nachhaltigkeit ist eine gesellschaftspolitische, dynamische Kategorie und entzieht sich der technokratischen, statischen Definition. Bisher wird Nachhaltigkeit statisch und bewahrend aufgefasst. Darin liegt auch der Grund, warum Nachhaltigkeit stagniert und dann von allerlei Modebegriffen abgelöst werden will, die wieder einmal nichts weniger als die Weltrettung versprechen. Im Moment zeigen sich Etiketten wie Gemeinwohl-Ökonomie und Solidarwirtschaft gerade en vogue.

Ausgehend vom klassischen, statischen „Drei-Säulenmodell der Nachhaltigkeit“ (ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Säule), welches gerne auch als „Dreiklang der Nachhaltigkeit“ apostrophiert wird, wird von mir erstens, die „Säule“ als Dimensionen konzeptionell vorgeschlagen und zweitens, der Bereich Kommunikation als die dynamische, Ganzheitlichkeit schaffende vierte Dimension gesetzt, eben die vierte Posaune. Damit soll die Konzeption Nachhaltigkeit ganzheitlich und vor allem dynamisch werden. Es soll nicht mehr darum gehen, die Welt zu bewahren, sondern eine bessere zu schaffen.

Die Nachhaltigkeitskonzeption von den drei Säulen ist rückwärtsgewandt, anti-modern und innovationsfeindlich. Das Modell war wohlmeinend und hatte auch in die richtige Richtung gewiesen, jedoch war und ist es mittlerweile durchsetzt von Verbotstafeln sonder Zahl. Diese Konzeption ist weder für Wirtschaft noch Gesellschaft sinnvoll und wünschenswert. Diese statische Konzeption von Nachhaltigkeit führt zum Stillstand, begründet Blockadepolitiken und dient einer entfesselten Bürokratie neue Verbotstafeln und Regulierungen zu setzen.

So sind Wendungen wie „Nachhaltigkeit gehört zur DNA des Unternehmens“ unsinnig und zutiefst statisch und weisen eine jeglichen Ansatz von Innovation von sich. Das kann nicht gut sein für ein Unternehmen. Solche Wendungen leisten einem reduktionistisch-biologistischen Denken Vorschub, das schon mehrfach die Menschheit in Unglück und Zerstörung gestürzt hat.

Selbst wenn man sich auf diesen „Biologismus“ argumentativ einlässt, wonach Unternehmen als naturhafte Wesenheiten vorzustellen seien, was sie gewiss nicht sind, dann blenden solche Positionen die Evolution aus. Schließlich liegt diesen Konzeptionen von Nachhaltigkeit das falsche Modell zugrunde, wonach Gene statisch seien und alles bestimmen: Das ist einfach falsch.

Kommunikation als vierte Dimension

Unter Kommunikation fällt der weite Bereich der Information bis hin zur Kultur in all ihrer Breite. Also, all das, was den Menschen in seinem besten Wollen, Streben und Vermögen vom Tier unterscheidet. Dazu gehört, dass der Mensch frei und ohne Sünde geboren ist.

Dieses dynamische, vierdimensionale Modell der Nachhaltigkeit weist daher eine dezidiert gesellschaftliche Dimension auf, nämlich die Realisierung und Orientierung an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Dieser Ansatz gewährleistet den 360 Grad Blick, da die Menschenrechte als Grundrechte alle für den Menschen relevanten Dimensionen abbilden und damit Basis für die Herstellung von Glück sind. So hat der Mensch beispielsweise ein Recht auf Bildung, ein Recht auf Gesundheit, ein Recht auf Religionsfreiheit oder ein Recht auf Meinungsfreiheit.

Dies meint auch, dass ein Auseinanderdividieren der Dimensionen nicht sinnvoll ist. Um dazu ein deutliches Bild zu setzen:  Ökologisch vorbildlich zu wirtschaften, aber dies auf Grundlage von Sklaverei oder Kinderarbeit, ist nicht nachhaltig: Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Teile. Dies ist die wesentliche Grundrechnungsart für dynamische, lebendige Strukturen.

Nachhaltigkeit ist daher eine kooperative Modernisierungs- und Innovationsstrategie zur Herstellung von Zukunftsfähigkeit zur Wahrung und Mehrung von Freiheit und Glück.

Nachhaltigkeit heißt daher nicht ausschließlich nur die geschaffene Welt zu bewahren wie sie ist – statisches Konzept –, sondern eine bessere Welt für zukünftige Generationen zu schaffen und zu hinterlassen.

Grundlage und Basis einer jeden Nachhaltigkeitsstrategie ist der Einzelne, der Mensch. Daher ist auch ein jeder Einzelne verantwortlich für sein unmittelbares Handeln. Von daher ist eine nachhaltige Strategie nur realisierbar, wenn der Mensch sich glücklich fühlt und erkennt. Der glückliche Mensch ist Voraussetzung für die Wende zur Nachhaltigkeit und dafür braucht es Friede, Wahrheit und Recht. Im Zentrum der „360 Grad der Nachhaltigkeit“ steht daher der Mensch im besonderen und das Leben im allgemeinen.

All dies setzt Kommunikation als dynamische Dimension voraus, denn „Information ist Alles, weil alles was denkmöglich ist auch wirklich ist“. Dies meint aber nicht die Trivialisierung der Information, denn zugespitzt formuliert kann man sagen: Nachhaltigkeit ist eine komplexe Strategie in einer komplexen Welt und hat daher komplexe Lösungen, die komplexes Denken verlangen. Die Grundsätze sind einfach, die daraus folgenden Antworten nicht.

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