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Die Neuerfindung des Fahrrades

In Innovation&Start-Ups on 2. August 2015 at 22:15

Zugegeben, das Fahrrad an sich ist keine Innovation, eher die damit verbundene Mobilität, die heute noch mehr ein Versprechen denn Wirklichkeit ist.

Der guten Nutzung des Fahrrades als urbanes Fortbewegungsmittel steht leider die Stadtplanung meist entgegen, die noch immer Autos bevorzugt einerseits, andererseits stellt das undisziplinierte und rücksichtslose Fahren der Radfahrerinnen und Radfahrer selber ein Hindernis dar, da die Sympathie für diese Art der Mobilität im Quadrat zur Anzahl der Radfahrerinnen und Radfahrer schrumpft.

Aber das konventionelle Fahrrad hat von der Dimension der Produktion betrachtet einen nicht unerheblichen Ressourcenverbrauch und Co2-Abdruck. Es ist alles andere als nachhaltig gebaut, dies meint Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen und Altmaterial, Einbindung in Recycling bis hin zu der Produktion unter sozial gerechten Bedingungen.

Der Erfinder Izhar Gafni (Israel)  hat hier angesetzt und in rund drei Jahren Tüftelarbeit ein Fahrrad entwickelt, welches in einer Art hochkomplexen Origamitechnik zu rund 95% aus Pappkarton hergestellt wird; die verbleibenden 5% stammen aus alten Plastikflaschen und Autoreifen.

In rund drei Jahren Entwicklungsarbeit hat er schließlich einen Prototyp gebaut, der rund 100 kg Last tragen kann und für den Alltag fit ist.  Das Fahrrad wiegt aktuell 9 kg und soll, so der Wunsch des Erfinders, in Behindertenwerkstätten gebaut werden und nicht in menschenverachtenden Massenproduktionen in China. Auch dies eine sympathische und konsequente Haltung.

Die Materialkosten belaufen sich ca. auf 10 Euro und lassen so einen Verkaufspreis von 20 Euro zu. Mobilität solle kein Luxus sein und gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen, wie Essen, Trinken oder ein Dach über den Kopf. Aktuell wurde eine Crowdfunding-Aktion abgeschlossen, die rund 40.000 US-Dollar einbrachte. Genug um die Prototypen weiter zu entwickeln. Unter Beratung von Nimrod Elmish wird gerade an großen Plänen und Visionen gearbeitet, wie die Errichtung einer Fabrik in Tel Aviv.

Vision von Gafni ist es, dass dieses Papprad auch mit einem Elektroantrieb versehen werden soll. Und sicher wird er bald auf die Idee kommen, ein Lastenfahrrad aus Pappe zu bauen, damit man einen Teil des lokalen Transportes auch kosten- und umweltbewusst realisieren kann. Jedenfalls sind Rollstühle ebenso geplant wie Spielzeug. Pappe, das Material der Zukunft? Zumindest für den Alltag ist dies denkbar.

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