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Über die Freiheit in der Wirtschaft und im Alltag

In Human Rights on 2. August 2015 at 22:04

Ein allgemeines Missverständnis ist, dass wenn Großunternehmen privat sind, diese besser wirtschaften.

Aktuell wird in Österreich wieder der Ruf nach Privatisierung laut und man glaubt damit Wirtschaftskompetenz zu demonstrieren, zumindest wird dies dem geneigten Bürger so verkauft. Tatsächlich will man seine eigene Klientel bedienen, die für den Bürger noch mehr Intransparenz und noch weniger demokratisch legitimierte Kontrolle meint.

Ein Blick in die jüngste Geschichte zeigt, dass privat geführte Großunternehmen nicht automatisch die besseren Unternehmen sind, wie das Beispiel der Banken deutlich zeigt und größere Budgetlöcher reißen als Bahn und Post zusammen.

Tatsächlich ist die Eigentumsform von Konzernen nicht mehr entscheidend für die Wirtschaft, denn Konzerne, egal ob nun staatlich dominiert oder nicht, gleichen sich immer mehr den staatlich-bürokratischen Strukturen an.

Nur die wenigsten Konzerne sind erstens tatsächlich innovativ, zweitens für die Sicherung von Arbeitsplätzen relevant und drittens tragen nur wenige Konzerne steuerlich etwas zum gesellschaftlichen Wohl bei, da sie kaum Steuern zahlen. Konzerne werden hier umdenken müssen und sie machen dies auch, da Konzerne außerhalb der Komfortzonen durch Investoren und den Markt getrieben werden.

Der wirtschaftliche Schrumpfkurs Europas ist der Tatsache geschuldet, dass Konzerne in Schutz- und Komfortzonen leben, die der Bürger bezahlt. Privatisierung meint daher nicht den Wechsel des Eigentums von staatlicher Hand in die Hand einer x-beliebigen heimischen Großbank. Das ist keine Privatisierung.

In Summe ist die Bilanz für den Bürger eher negativ. Da ist es schon besser, wenn die Großunternehmen vor allem im Infrastrukturbereich staatlich bleiben, denn dies erspart den Steuerzahler zumindest später meist teurere Rettungsschirme bzw. Rückkaufaktionen, die auch durch den Bürger bezahlt werden.

Die Herausforderungen liegen woanders und dort sind auch die wesentlichen Hebeln für eine moderne, innovative Wirtschaft anzusetzen und dieser Sektor ist es auch, der dann Innovation und neue Arbeitsplätze schaffen kann und wird. Hoffnungsträger waren und bleiben die EPUs und KMUs, die seit Jahrzehnten und auch wohl weitere fünf Jahre stranguliert werden durch das leistungsfeindliche SVA/WKO-System und die bürokratische Anforderungen des Staates, die eben nur Konzerne abbilden mit ihren Abteilungen können.

Eine Start-up-Szene ist in Wien kaum möglich und sogar das eher tröge restriktive Deutschland hat mit Berlin eine kleine Boomtown was Start-ups betrifft. Wien, immerhin die zweitgrößte deutschsprachige Stadt, fällt weit zurück und weist einen strukturellen Wettbewerbsnachteil auf. Das Potential wäre vorhanden, aber die Wirtschaftspartei ÖVP verhindert dies erfolgreich, denn ihr Klientel mag nicht mehr Mitbewerber sehen, sonder lieber tröge vor sich weiter dahinsumpern. Bedauerlicherweise existiert keine politische Kraft, die für Modernisierung und Menschenrechte eintritt.

Ein amazon, google oder microsoft war und ist in Wien nicht möglich, da diese schon bei Gründung erfolgreich abgewürgt werden. Hier braucht es tatsächlich mehr Transparenz bei Auftragsvergaben durch die Öffentliche Hand, mehr Freiheit, weniger Staat und vor allem eine Öffentliche Hand, die prompt bezahlt und sich nicht einfach zwei Jahre Zahlungsaufschub nimmt.

Hier braucht man Entfesselung, aber die will niemand in den bürokratisierten Entscheideretagen, denn dies ginge sehr rasch einher mit mehr Selbstbestimmung und Freiheit. Das will das amtliche Österreich offensichtlich nicht. Der Satz ist sehr einfach: Geht es den Bürger gut, geht es der Wirtschaft gut. Umgekehrt stimmt der Satz nicht.

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Nachhaltigkeit, Wirtschaft und die reale Welt

In Sustainability&CSR on 2. August 2015 at 21:59

93 Prozent der 250 größten Unternehmen der Welt haben einen Nachhaltigkeitsbericht. Das ist eine gute Nachricht. Aber niemand interessiert es.

Ähnlich verhaltet es sich mit den Gütesiegeln und den zahllosen Awards. Man möchte angesichts der vielen Awards, Messen, Gütesiegel und CR/CSR/Nachhaltigkeitsberichte, integriert oder nicht, meinen, die Welt ist eine andere geworden.

Nur gute Nachrichten überall, nur saubere, glücklich strahlende Menschen tollen auf grünen Wiesen herum, abwechselnd Lämmer und dann mal Kinder oder am besten Kinder mit Teddybären herzend. Es nimmt sich aus wie ein Gemälde zur heilen Welt, in dem natürlich nicht die „kritischen“ NGOs fehlen dürfen, die schon lange ihr Herz und Seele an den jeweils bestbietenden verkauft haben. All diese Inszenierungen interessieren immer weniger, sind selbstreferentiell und bewegen niemanden mehr.

Warum? Erstens, weil sich immer öfters und drängender herausstellt, die Botschaften sind nicht wahr bzw. stimmen so nicht ganz, wie behauptet. Skandal um Skandal reiht sich mittlerweile in der Nachhaltigkeitsszene. Zweitens, viele der „heilen“ Unternehmen und „guten“ NGOs findet man immer häufiger in den Schlagzeilen und shit-storms. Da Betrug, dort Korruption, hier gierige Manager und die totale Überwachung wie die reklamationssichere Beta-Version sind sowieso Teil der Geschäftsbedingungen. Drittens, es fehlt an kritischen und unabhängigen Medien, die über Nachhaltigkeit kompetent und interessant berichten können. Die vielen guten Botschaften, die es dennoch gibt, haben keinen Hintergrund und kein Dispositiv.

Nachhaltigkeit kommt nicht vom Fleck, weil drei Herausforderungen offen und zu meistern sind, um den oben skizzierten Befund konkreter zu erörtern: Erstens, Kommunikation/Medien, zweitens, die gesellschaftspolitische Dimension und drittens die Herausforderung der Überprüfung.

Nach wie vor wird Nachhaltigkeit mit sehr verstaubten Medienkonzepten abgebildet, sieht man sich die aktuelle Landschaft grüner Medien an. Wagen sich konventionelle Medienhäuser daran, so sind sie regelmässig bisher gescheitert, weil es ihnen schlicht an Kompetenz und Glaubwürdigkeit fehlt und diese blamable Tatsache will man sich nicht eingestehen. Die Verlage scheitern hier an der eigenen Inzucht, ihren selbstgesteckten Normen und Angst vor Innovation. Der Mangel an Innovation illustriert die jüngste Vergangenheit: Keine einzige der kommunikativen Revolutionen kam aus den großen oder kleinen Medienhäuser: Twitter, facebook, pinterest etc. pp. So verwundert es nicht, dass Medien der Nachhaltigkeit noch nicht existieren. Da ist sehr viel Luft, Potential und Phantasie drinnen.

Was es hier braucht, wären drei bis vier Leitmedien der Nachhaltigkeit. Bis dahin muss die Zukunft auf ihre Medien warten. Dieses Vakuum wird aktuell durch die Social Media besetzt, die diese Rolle strukturell aber nicht erfüllen können. Viele Indianer, die plötzlich Häuptlinge spielen müssen und auch möchten, doch an allen Ecken und Enden fehlen ihnen die Visionen, die Kompetenzen, das Leadership und die Entwürfe.

Dies leitet über zur zweiten Herausforderung, die gesellschaftspolitische Dimension. Es fehlt der große Wurf zur tatsächlichen Verbesserung der Welt. Gerne wird die Tatsache übersehen, dass Nachhaltigkeit eine dezidiert gesellschaftspolitische Dimension aufweist, die viele der Honoratoren der Nachhaltigkeit bestenfalls in ihren Sonntagsrede streifen möchten. Im Alltag weniger, denn da kann man sich rasch in sehr unangenehmen Dickicht verheddern.

Nachhaltigkeit ohne die Herstellung von sozialer und auch kommunikativer Gerechtigkeit wird aber nicht gelingen. Als Standard können und sollen die Menschenrechte dienen. Die Tücke jedoch steckt im Detail. Eines der Details ist die Glaubwürdigkeit und dies leitet zur dritten Herausforderung über: Die der Evaluierung, der Überprüfung, der Testierung, also der Qualitätskontrolle allgemein gesprochen, die sich schlussendlich durch ein Siegel, einen Preis, ein Ranking, einen Nachhaltigkeitsbericht oder anderen Kommunikationsinstrumenten ausdrückt

Faktisch hat man es mit einem Kartell von Gutachtern, Juroren und Gremien zu tun, welche im hohen Grade selbstreferentiell und auch meist wenig transparent sind und in einem sehr dichten Geflecht an Unvereinbarkeiten stecken, die man wahrscheinlich in keinem anderen Bereich dulden würde. Hier braucht es endlich unabhängige Institutionen und Initiativen für eine unabhängige Kontrolle; unabhängig von Staat, Wirtschaft und NGOs. Zumindest braucht es rasch eine Entflechtung und Transparenz.

Mit anderen Worten, der Reformbedarf ist groß, aber umsetzbar, denn allen Beteiligten darf man guten Willen und beste Absichten unterstellen. Keiner der Akteure ist zu dumm, um nicht zu sehen, dass es ohne kritische Medien, Transparenz, Glaubwürdigkeit und sozialer Gerechtigkeit nicht mehr geht. Jetzt braucht es halt Mut zur Veränderung, bevor der Leidensdruck und die Not das Kommando endgültig übernehmen.

Vier Posaunen: Propädeutisches zum Begriff Nachhaltigkeit

In Sustainability&CSR on 2. August 2015 at 21:52

Viel wird wieder von Nachhaltigkeit gesprochen. Jeder versteht etwas anderes darunter. Der Begriff ist heiß umstritten und das ist auch gut so.

Nachhaltigkeit ist eine gesellschaftspolitische, dynamische Kategorie und entzieht sich der technokratischen, statischen Definition. Bisher wird Nachhaltigkeit statisch und bewahrend aufgefasst. Darin liegt auch der Grund, warum Nachhaltigkeit stagniert und dann von allerlei Modebegriffen abgelöst werden will, die wieder einmal nichts weniger als die Weltrettung versprechen. Im Moment zeigen sich Etiketten wie Gemeinwohl-Ökonomie und Solidarwirtschaft gerade en vogue.

Ausgehend vom klassischen, statischen „Drei-Säulenmodell der Nachhaltigkeit“ (ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Säule), welches gerne auch als „Dreiklang der Nachhaltigkeit“ apostrophiert wird, wird von mir erstens, die „Säule“ als Dimensionen konzeptionell vorgeschlagen und zweitens, der Bereich Kommunikation als die dynamische, Ganzheitlichkeit schaffende vierte Dimension gesetzt, eben die vierte Posaune. Damit soll die Konzeption Nachhaltigkeit ganzheitlich und vor allem dynamisch werden. Es soll nicht mehr darum gehen, die Welt zu bewahren, sondern eine bessere zu schaffen.

Die Nachhaltigkeitskonzeption von den drei Säulen ist rückwärtsgewandt, anti-modern und innovationsfeindlich. Das Modell war wohlmeinend und hatte auch in die richtige Richtung gewiesen, jedoch war und ist es mittlerweile durchsetzt von Verbotstafeln sonder Zahl. Diese Konzeption ist weder für Wirtschaft noch Gesellschaft sinnvoll und wünschenswert. Diese statische Konzeption von Nachhaltigkeit führt zum Stillstand, begründet Blockadepolitiken und dient einer entfesselten Bürokratie neue Verbotstafeln und Regulierungen zu setzen.

So sind Wendungen wie „Nachhaltigkeit gehört zur DNA des Unternehmens“ unsinnig und zutiefst statisch und weisen eine jeglichen Ansatz von Innovation von sich. Das kann nicht gut sein für ein Unternehmen. Solche Wendungen leisten einem reduktionistisch-biologistischen Denken Vorschub, das schon mehrfach die Menschheit in Unglück und Zerstörung gestürzt hat.

Selbst wenn man sich auf diesen „Biologismus“ argumentativ einlässt, wonach Unternehmen als naturhafte Wesenheiten vorzustellen seien, was sie gewiss nicht sind, dann blenden solche Positionen die Evolution aus. Schließlich liegt diesen Konzeptionen von Nachhaltigkeit das falsche Modell zugrunde, wonach Gene statisch seien und alles bestimmen: Das ist einfach falsch.

Kommunikation als vierte Dimension

Unter Kommunikation fällt der weite Bereich der Information bis hin zur Kultur in all ihrer Breite. Also, all das, was den Menschen in seinem besten Wollen, Streben und Vermögen vom Tier unterscheidet. Dazu gehört, dass der Mensch frei und ohne Sünde geboren ist.

Dieses dynamische, vierdimensionale Modell der Nachhaltigkeit weist daher eine dezidiert gesellschaftliche Dimension auf, nämlich die Realisierung und Orientierung an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Dieser Ansatz gewährleistet den 360 Grad Blick, da die Menschenrechte als Grundrechte alle für den Menschen relevanten Dimensionen abbilden und damit Basis für die Herstellung von Glück sind. So hat der Mensch beispielsweise ein Recht auf Bildung, ein Recht auf Gesundheit, ein Recht auf Religionsfreiheit oder ein Recht auf Meinungsfreiheit.

Dies meint auch, dass ein Auseinanderdividieren der Dimensionen nicht sinnvoll ist. Um dazu ein deutliches Bild zu setzen:  Ökologisch vorbildlich zu wirtschaften, aber dies auf Grundlage von Sklaverei oder Kinderarbeit, ist nicht nachhaltig: Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Teile. Dies ist die wesentliche Grundrechnungsart für dynamische, lebendige Strukturen.

Nachhaltigkeit ist daher eine kooperative Modernisierungs- und Innovationsstrategie zur Herstellung von Zukunftsfähigkeit zur Wahrung und Mehrung von Freiheit und Glück.

Nachhaltigkeit heißt daher nicht ausschließlich nur die geschaffene Welt zu bewahren wie sie ist – statisches Konzept –, sondern eine bessere Welt für zukünftige Generationen zu schaffen und zu hinterlassen.

Grundlage und Basis einer jeden Nachhaltigkeitsstrategie ist der Einzelne, der Mensch. Daher ist auch ein jeder Einzelne verantwortlich für sein unmittelbares Handeln. Von daher ist eine nachhaltige Strategie nur realisierbar, wenn der Mensch sich glücklich fühlt und erkennt. Der glückliche Mensch ist Voraussetzung für die Wende zur Nachhaltigkeit und dafür braucht es Friede, Wahrheit und Recht. Im Zentrum der „360 Grad der Nachhaltigkeit“ steht daher der Mensch im besonderen und das Leben im allgemeinen.

All dies setzt Kommunikation als dynamische Dimension voraus, denn „Information ist Alles, weil alles was denkmöglich ist auch wirklich ist“. Dies meint aber nicht die Trivialisierung der Information, denn zugespitzt formuliert kann man sagen: Nachhaltigkeit ist eine komplexe Strategie in einer komplexen Welt und hat daher komplexe Lösungen, die komplexes Denken verlangen. Die Grundsätze sind einfach, die daraus folgenden Antworten nicht.